paragraphenzeichen-01-200pxDas sind Regelungen für unser Zusammenleben und -arbeiten in der Gemeinde

Gemeindeordnung der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien vom 6. Juni 2010

Präambel

Der Auftrag Jesu Christi zur Verkündigung des Evangeliums ist für die Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopienverpflichtend.

Grundlage der Verkündigung in der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien ist das in Jesus Christus offenbar gewordene Wort Gottes, wie es in der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testamentes gegeben und in den altkirchlichen Bekenntnissen und reformatorischen Bekenntnisschriften sowie den Lehrzeugnissen ab dem 20. Jahrhundert bezeugt ist.

In Bindung an diese Grundlage nimmt die Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien die folgende Gemeindeordnung an.

§ 1 Name und Sitz, vertragliche Bindungen und Eigenständigkeit der Gemeinde

(1) Die Gemeinde führt den Namen „Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien".

(2) Sie hat ihren Sitz in Addis Abeba.

(3) Die Verbundenheit mit der evangelischen Christenheit in Deutschland findet ihren rechtlichen Ausdruck in einem Vertrag mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Die Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien hat vor Änderungen der Gemeindeordnung das Einvernehmen mit der Evangelischen Kirche in Deutschland herbeizuführen.

(4) Die Gemeinde ist um ein geschwisterliches Verhältnis zu den Kirchen Äthiopiens bemüht und setzt sich für ökumenische Zusammenarbeit ein. Das besondere Verhältnis zur Ethiopian Evangelical Church Mekane Yesus (EECMY) ist durch einen Assoziierungsvertrag geregelt. Die Gemeinde ist Mitglied der Central Ethiopian Synod der EECMY.

(5) In Erfüllung ihrer Aufgaben ordnet und verwaltet die Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien ihre Angelegenheiten eigenständig.

§ 2 Auftrag und Aufgaben

(1) Die Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien hat die Aufgabe, für den Dienst am Evangelium von Jesus Christus in Wort und Sakrament

Sorge zu tragen.

(2) Die Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien hat insbesondere die Aufgabe des kirchlichen Dienstes an allen in ihrem Bereich lebenden evangelischen Christinnen und Christen deutscher Sprache. Sie tritt für die ökumenische Gemeinschaft der Christinnen und Christen in aller Welt ein. Sie erfüllt diese Aufgaben im Zusammenwirken mit der Evangelischen Kirche in Deutschland.

(3) Kirchenvorstand und Pfarramt haben für regelmäßige öffentliche Gottesdienste, kirchliche Unterweisung, Seelsorge und diakonische Tätigkeit zu sorgen. Die Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien bestimmt die dafür notwendigen Ordnungen, Agenden und das Gesangbuch und legt die Anforderungen für die Zulassung zur Konfirmation im Einvernehmen mit dem Pfarramt und dem Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland fest.

(4) Alle Mitglieder der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien tragen die Verantwortung für die rechte Lehre und für die zeit- und sachgemäße Erfüllung des Auftrags. Zur Wahrnehmung dieser Aufgabe werden Gemeindemitglieder ehrenamtlich oder beruflich zum Dienst der Kirche berufen bzw. gewählt. 

(5) Die Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien sieht es als ihre Aufgabe, das Verständnis und Zusammenwirken zwischen den Bewohnern des Gastlandes und den Gemeindegliedern zu fördern.

(6) Ihrem diakonischen Auftrag kommt sie insbesondere durch die Trägerschaft der „German Church School and Social Service“ nach.

§ 3 Erwerb der Mitgliedschaft

(1) Die Zugehörigkeit zur Kirche Jesu Christi gründet sich auf die Heilige Taufe.

(2) Die Mitgliedschaft in der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien wird erworben

a. durch die Heilige Taufe, die in der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in   Äthiopien vollzogen wurde

            b. durch Konfirmation in der Gemeinde             

c. bei Personen evangelischen Bekenntnisses durch Beitritt

            d. bei Personen anderer Bekenntnisse durch Übertritt

sofern diese Personen im Kirchengebiet der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt haben. Wurde die Taufe nicht in der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien vollzogen, so bedarf es einer Beitrittserklärung. Die Übertrittserklärung hat zur Folge, dass von der betreffenden Person die evangelische Konfession angenommen wird. Die Mitgliedschaft in der Evangelischen Kirche in Deutschland und die Mitgliedschaft in der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien schließen sich nicht aus.

(3) Der Beitritt oder Übertritt erfolgt durch schriftliche Erklärung. Die Erklärung erfolgt gegenüber dem Kirchenvorstand. Eine Beitritts- oder Übertrittserklärung kann jede Person abgeben, wenn sie nach deutschem Recht religionsmündig bzw. konfirmiert[1] und getauft ist. Erziehungsberechtigte können die Beitritts- und Übertrittserklärung für ihre getauften Kinder abgeben, sofern diese noch nicht religionsmündig bzw. konfirmiert sind.

(4) Die Beitritts- und Übertrittserklärung soll den Namen, das Alter, den Beruf, die Anschrift der betroffenen Person, ferner deren Tauf- und gegebenenfalls das Konfirmationsdatum und eine Erklärung über die Bereitschaft, einen Gemeindebeitrag zu entrichten, enthalten. Mit der Mitgliedschaft erkennt ein Gemeindeglied die Gemeindeordnung an.

(5) Dem Beitritts- oder Übertrittsgesuch kann durch den Kirchenvorstand widersprochen werden. Der Widerspruch ist mit Gründen zu versehen. Die betreffende Person kann hiergegen Beschwerde erheben. Die Beschwerde ist innerhalb eines Monats ab Zugang des ablehnenden Bescheides schriftlich beim Kirchenvorstand einzulegen. Über die Beschwerde entscheidet die nächste Gemeindeversammlung gemäß § 14 Abs. 2 Ziffer 8 dieser Gemeindeordnung.

§ 4 Assoziierte Mitgliedschaft für nicht-evangelische Christen

(1) Glieder der katholischen Kirche, mit denen eine traditionell enge Verbundenheit besteht, ebenso wie andere nicht-evangelische Personen sind eingeladen zum Besuch der Gottesdienste, aller Gemeindeveranstaltungen sowie zur verantwortlichen Mitgestaltung des Gemeindelebens.

(2) Dieser Personenkreis kann auf Antrag an den Kirchenvorstand den Status eines assoziierten Mitglieds erhalten. Mit der assoziierten Mitgliedschaft ist kein Konfessionswechsel verbunden.

(3) Assoziierte Mitglieder haben weder in der Gemeindeversammlung noch im Kirchenvorstand Stimmrecht.

 

§ 5 Rechte und Pflichten der Mitglieder

(1) Die Mitglieder stehen als Glieder der Gemeinde Jesu Christi in der Verantwortung vor Gott.

(2) Die Mitglieder sind zu allen Gottesdiensten eingeladen und haben das Recht auf

  1. den Gebrauch der Sakramente,
  2. seelsorgerliche Begleitung,
  3. Amtshandlungen und
  4. christliche Unterweisung.

(3) Alle Mitglieder sind eingeladen, mit ihren Gaben an der Gestaltung des kirchlichen Lebens mitzuwirken, kirchliche und diakonische Aufgaben zu übernehmen und sich mit Ausnahme der assoziierten Mitglieder an Wahlen zu beteiligen.

(4) Durch den Gemeindebeitrag tragen die Mitglieder mit dazu bei, dass die Gemeinde ihre Aufgaben erfüllen kann. Für Amtshandlungen und weitere Dienstleistungen der Gemeinde können Gebühren erhoben werden.

§ 6 Beendigung der Mitgliedschaft

(1) Die Mitgliedschaft endet

  1. mit dem Tod des Mitglieds,
  2. durch Austritt,
  3. durch Wegzug aus Äthiopien oder
  4. durch Ausschluss aus der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien.

(2) Der Austritt erfolgt durch schriftliche Erklärung gegenüber einem Mitglied des Kirchenvorstands. Der Empfang der Austrittserklärung ist in geeigneter Weise zu quittieren.

(3) Der Ausschluss erfolgt durch Beschluss des Kirchenvorstands. Ein Mitglied kann, wenn es gegen das Bekenntnis der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien grob verstößt, den Interessen der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien wiederholt Schaden zufügt oder seine mit dem Beitritt oder der Verleihung der Mitgliedschaft übernommenen Aufgaben bewusst nicht erfüllt, aus der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien ausgeschlossen werden. Vor der Beschlussfassung ist dem Mitglied unter Setzung einer angemessenen Frist Gelegenheit zu geben, persönlich vor dem Kirchenvorstand oder schriftlich Stellung zu nehmen. Eine schriftliche Stellungnahme des Betroffenen ist in der Kirchenvorstandssitzung zu verlesen. Der Beschluss über den Ausschluss ist mit Gründen zu versehen und dem Mitglied mit Brief bekannt zu machen. Gegen den Ausschließungsbeschluss des Kirchenvorstands steht dem Mitglied das Recht des Widerspruchs an die Gemeindeversammlung zu. Der Widerspruch hat aufschiebende Wirkung. Der Widerspruch muss innerhalb einer Frist von einem Monat ab Zugang des Ausschließungsbeschlusses beim Kirchenvorstand eingelegt werden. Ist der Widerspruch rechtzeitig eingelegt, so hat der Kirchenvorstand sie unverzüglich der nächsten Gemeindeversammlung vorzulegen. Geschieht dies nicht, gilt der Ausschließungsbeschluss als nicht erlassen. Macht das Mitglied von dem Recht des Widerspruchs gegen den Ausschließungsbeschluss keinen Gebrauch oder versäumt es die Widerspruchsfrist, so unterwirft es sich damit dem Ausschließungsgrund mit der Folge, dass die Mitgliedschaft als beendet gilt.

(4) Wegziehende Gemeindeglieder können der Gemeinde in einem Freundeskreis verbunden bleiben.

§ 7 Mitgliedsbeiträge

Von den Mitgliedern werden Beiträge erhoben. Die Höhe des Beitrages und dessen Fälligkeit wird vom Kirchen­vorstand in Absprache mit dem Mitglied bestimmt. In begründeten Ausnahmefällen kann der Kirchenvorstand Mitglieder und Gastmitglieder von der Beitragszahlung befreien oder diesen ermäßigen.

§ 8 Organe der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien

Organe der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien sind

a. der Kirchenvorstand

b. die Gemeindeversammlung und

c. das Pfarramt.

§ 9 Kirchenvorstand

(1) Der Kirchenvorstand der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien besteht aus mindestens fünf von der Gemeindeversammlung in den Kirchenvorstand gewählten Mitgliedern und dem bzw. der jeweiligen geschäftsführenden Pfarrer oder Pfarrerin der Gemeinde, der bzw. die kraft Amts dem Kirchenvorstand als Vollmitglied angehört.

Zusätzlich entsenden die assoziierten Mitglieder einen Vertreter bzw. eine Vertreterin in das Gremium, der / die beratende Funktion hat.

(2) Der Kirchenvorstand bestimmt aus seiner Mitte den / die Vorsitzende/n, den / die stellvertretenden Vorsitzende/n, den / die Schatzmeister/in, den /die stellvertretende/n Schatzmeister/in, den /die Schriftführer/in und den /die stellvertretende/n Schriftführer/in.

Der bzw. die Vorsitzende hat zugleich den Vorsitz bei Gemeindeversammlungen inne.

(3) Wird ein anderes Mitglied des Kirchenvorstands als der /die geschäftsführende Pfarrer/in bestimmt, den Vorsitz im Kirchengemeinderat zu führen, so hat der / die geschäftsführende Pfarrer/in die Stellvertretung inne.

(4) Die Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien wird gerichtlich und außergerichtlich durch zwei Mitglieder des Kirchenvorstands, darunter den /die Vorsitzende/n oder den / die stellvertretende/n Vorsitzende/n, vertreten.

(5) Die Vereinigung mehrerer Ämter im Kirchenvorstand in einer Person ist unzulässig.

(6) Dem Kirchenvorstand sollten keine Personen als Mitglieder angehören, die miteinander Verwandte ersten Grades oder verheiratet sind.

§ 10 Zuständigkeit des Kirchenvorstands

Der Kirchenvorstand ist für alle Angelegenheiten der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien zuständig, soweit sie nicht durch die Gemeindeordnung einem anderen kirchlichen Organ zugewiesen sind. Er hat insbesondere folgende Aufgaben:

  1. Vorbereitung der Gemeindeversammlungen und Aufstellung der Tagesordnungen,
  2. Einberufung der Gemeindeversammlung,
  3. Ausführung der Beschlüsse der Gemeindeversammlung,
  4. Aufstellung eines Haushaltsplanes für jedes Geschäftsjahr, Buchführung, Erstel­lung eines Jahresberichtes,
  5. Abschluss und Kündigung von Arbeitsverträgen sowie Regelung des Beschäfti­gungsverhältnisses der Pfarrer und Pfarrerinnen,
  6. Gebühren für Amtshandlungen und weitere Dienstleistungen im Rahmen von § 5 Abs.4 festzulegen,
  7. Entscheidung über Beitritt, Übertritt oder Ausschluss eines Gemeindegliedes und
  8. im Zusammenwirken mit dem Pfarramt die in § 2 Abs.3 aufgeführten Aufgaben wahrzunehmen.
  9. Sicherstellung der Durchführung der für den ordnungsgemäßen Betrieb der German Church School notwendigen administrativen und pädagogischen Maßnahmen

§ 11 Amtsdauer der Kirchenvorstandsmitglieder

(1) Die Mitglieder des Kirchenvorstands werden von der Gemeindeversammlung für die Dauer von zwei Jahren, vom Tage der Wahl an gerechnet, gewählt. Die alten Mitglieder des Kirchenvorstands bleiben bis zur Einführung der neu gewählten Vorstandsmitglieder im Amt.

Die Wahl erfolgt gemäß der Wahlordnung in der jeweils gültigen Fassung. Neue Mitglieder des Kirchenvorstands werden in einem Gottesdienst in ihr Amt eingeführt.

(2) Wiederwahl von Mitgliedern des Kirchenvorstands ist zulässig.

(3) Wählbar sind alle Mitglieder der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien ab dem vollendeten achtzehnten Lebensjahr, sofern sie nicht in einem haupt- oder nebenberuflichen Beschäftigungs­verhältnis zur Kirchengemeinde stehen.

(4) Das Amt der Mitglieder des Kirchenvorstands ist ein kirchliches Ehrenamt und wird unentgeltlich wahrgenommen.

(5) Die Mitglieder des Kirchenvorstands haben über alle Angelegenheiten, die ihnen in Ausübung ihres Amtes bekannt geworden sind und die ihrer Natur nach vertraulich sind, Verschwiegenheit zu wahren. Dies gilt auch nach den Ausscheiden aus dem Amt. Die Verpflichtung zur Aussage gegenüber staatlichen Behörden und Gerichten richtet sich nach Landesrecht.

§ 12 Ausscheiden eines Kirchenvorstandmitglieds

(1) Ein Mitglied des Kirchenvorstands scheidet aus, wenn

a) es sein Amt niederlegt,

b) die Voraussetzungen seiner Wählbarkeit entfallen,

c) es nicht mehr in der Lage ist, seinen Amtspflichten nachzukommen,

d) es sich erheblicher Pflichtverletzungen schuldig macht oder

e) es durch die Gemeindeversammlung mit zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen abgewählt wird.

(2) In den Fällen des Absatzes 1 Buchstaben c bis e stellt der Kirchenvorstand mit zwei Drittel der abgegebenen gültigen Stimmen das Ausscheiden fest.

(3) Das Ausscheiden eines Mitgliedes ist in geeigneter Weise öffentlich bekannt zu machen.

(4) Scheidet ein Mitglied während seiner Amtsperiode aus, so kann der Kirchenvorstand ein Mitglied der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien als Ersatzmitglied bis zur nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung bestimmen. Die Zuwahl ist in geeigneter Weise bekannt zu machen.

(5) Scheiden alle Mitglieder des Kirchenvorstands aus, bestimmt vorher der Kirchenvorstand eine kommissarische Vertretung und Verwaltung der Kirchengemeinde mit allen Rechten und Pflichten des Kirchenvorstands. Kann sich der Kirchenvorstand über eine kommissarische Verwaltung nicht einigen, übernimmt das Kirchenamt der EKD die kommissarische Verwaltung der Gemeinde mit allen Rechten und Pflichten des Kirchenvorstands.

§ 13 Beschlussfassung des Kirchenvorstands

(1) Der Kirchenvorstand fasst seine Beschlüsse in der Regel in Sitzungen, die auf schriftliche, hilfsweise und ausnahmsweise fernmündliche Einladung des bzw. der Vorsitzenden, bei Verhinderung von der Stellvertretung, in der Regel monatlich stattfinden. Die Einladung ist auch an das Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland zu richten. In jedem Fall ist eine Einberufungsfrist von einer Woche einzuhalten.

(2) Der Kirchenvorstand ist beschlussfähig, wenn außer dem bzw. der Vorsitzenden oder der Stellvertretung mindestens zwei weitere Kirchenvorstandsmitglieder anwesend sind. Bei der Beschlussfassung entscheidet die Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme der Person, die die Kirchenvorstandssitzung leitet.

(3) Die Kirchenvorstandssitzung leitet in der Regel der bzw. die Vorsitzende, bei seiner Verhinderung der bzw. die stellvertretende Vorsitzende.

(4) Die Sitzungen sind in der Regel nicht öffentlich. Der Kirchenvorstand kann die Zulassung der Gemeindeöffentlichkeit beschließen, wenn dies durch den zu behandelnden Tagesordnungspunkt geboten ist. Das Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland kann an den Sitzungen des Kirchenvorstands, auch wenn es sich um geschlossene Sitzungen handelt, teilnehmen.

(5) Die Beschlüsse des Kirchenvorstands sind schriftlich in einem Protokoll festzuhalten. Die Niederschrift hat Ort und Zeit der Kirchenvorstandssitzung, die Namen der Teilnehmer/innen, die gefassten Beschlüsse, das Abstimmungsergebnis und die Unterschrift des Sitzungsleiters bzw. der Sitzungsleiterin zu enthalten.

(6) Ein Beschluss des Kirchenvorstands kann ausnahmsweise auch in einem schriftlichen oder elektronischen Umlaufverfahren gefasst werden, wenn alle Mitglieder des Kirchenvorstands ihre Zustimmung zu der zu beschließenden Regelung innerhalb einer Woche erklären.

§ 14 Gemeindeversammlung

(1) In der Gemeindeversammlung hat jedes konfirmierte religionsmündige Mitglied der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien eine Stimme.

(2) Die Gemeindeversammlung ist ausschließlich für folgende Angelegenheiten zuständig:

  1. Beratung über den Gemeindeaufbau,
  2. Entgegennahme des Berichtes der Rechnungsprüfer, des Jahresberichtes des Kirchenvorstands und dessen Entlastung,
  3. Wahl und Abberufung der Mitglieder des Kirchenvorstands,
  4. Wahl des Pfarrers oder der Pfarrerin,
  5. Errichtung und Auflösung von Einrichtungen der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien,
  6. Beschlussfassung über Änderung der Gemeindeordnung und über die Auflösung der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien,
  7. Beschlussfassung über eine Beschwerde bei Ablehnung des Aufnahmegesuchs durch den Kirchenvorstand oder eines Widerspruchs bei Ausschließungsbeschluss des Kirchenvorstands und
  8. Zustimmung zu dem Vertrag mit der Evangelischen Kirche in Deutschland und dessen Änderung.

(3) In Angelegenheiten, die in den Zuständigkeitsbereich des Kirchenvorstands fallen, kann die Gemeinde­versammlung Empfehlungen an den Kirchenvorstand beschließen. Der Kirchenvorstand kann seinerseits in Angelegenheiten seines Zuständigkeitsbereiches die Meinung der Gemeindeversammlung einholen. Eine rechtliche Bindung für den Kirchenvorstand besteht in beiden Fällen jedoch nicht.

§ 15 Einberufung der Gemeindeversammlung

Mindestens einmal im Jahr soll eine ordentliche Tagung der Gemeindeversammlung stattfinden. Sie wird vom Kirchenvorstand unter Einhaltung einer Frist von einem Monat schriftlich unter Angabe der Tagesordnung einberufen. Die Einladung ist auch an das Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland zu richten. Die Frist beginnt mit dem auf die Absendung folgenden Tag. Das Einladungsschreiben gilt dem Mitglied der Gemeindeversammlung als zugegangen, wenn es an die letzte vom Mitglied dem Kirchenvorstand schriftlich bekannt gegebene Korrespondenzadresse gerichtet ist. Die Tagesordnung setzt der Kirchenvorstand fest.

§ 16 Beschlussfassung der Gemeindeversammlung

(1) Die Gemeindeversammlung wird von dem bzw. der Vorsitzenden, bei Verhinderung von der Stellvertretung oder einem anderen Mitglied des Kirchenvorstands geleitet. Ist kein Mitglied des Kirchenvorstands anwesend, bestimmt die Gemeindeversammlung, wer die Leitung übernimmt. Bei Wahlen kann die Gemeindeversammlungsleitung für die Dauer des Wahlganges und der vorhergehenden Diskussion einem Wahlausschuss/Wahlleiter übertragen werden.

(2) Die Versammlungsleitung bestimmt die Person, die das Protokoll führt.

(3) Die Art der Abstimmung bestimmt die Versammlungsleitung. Die Abstimmung muss schriftlich durchgeführt werden, wenn einer der bei der Abstimmung anwesenden stimmberechtigten Mitglieder dies beantragt. Wahlen sind grundsätzlich geheim durchzuführen, wenn ein stimmberechtigtes Mitglied der Gemeindeversammlung dies wünscht.

(4) Die Tagung der Gemeindeversammlung ist öffentlich. Die Gemeindeversammlung kann beschließen, dass für einzelne Tagesordnungspunkte die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird. Über die Zulassung der Presse, des Rundfunks und des Fernsehens beschließt die Gemeindeversammlung. Das Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland hat ein Teilnahmerecht auch für die geschlossenen Sitzungen.

(5) Die Gemeindeversammlung ist beschlussfähig, wenn mindestens ein Zehntel der stimmberechtigten Mitglieder anwesend sind. Bei Beschlussunfähigkeit ist der Kirchenvorstand verpflichtet, innerhalb von vier Wochen eine zweite Gemeindeversammlung mit der gleichen Tagesordnung einzuberufen. Diese ist ohne Rücksicht auf die Zahl der erschienenen Gemeindeversammlungsmitglieder beschlussfähig. Hierauf ist in der Einladung hinzuweisen. Die zweite Gemeindeversammlung kann auch unmittelbar im Anschluss an die erste Gemeindeversammlung stattfinden, wenn zuvor in Verbindung mit der Einladung zur ersten Gemeindeversammlung eine Eventualeinladung erfolgte. Die zweite Gemeindeversammlung ist ohne Rücksicht auf die Zahl der erschienen Gemeindeglieder beschlussfähig, worauf in der Einladung hinzuweisen ist.

(6) Die Gemeindeversammlung fasst Beschlüsse

-        mit einer Mehrheit von drei Viertel der abgegebenen gültigen Stimmen bei Änderungen der Gemeindeordnung,

-        mit einer Mehrheit von vier Fünfteln über die Auflösung der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien,

-        im Übrigen mit einfacher Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen.

Stimmenthaltungen bleiben außer Betracht.

(7) Über die Beschlüsse der Gemeindeversammlung ist ein Protokoll aufzunehmen, das von denjenigen unterzeichnet wird, die die Versammlung geleitet und das Protokoll geführt haben. Es soll Feststellungen über Ort und Zeit der Tagung der Gemeindeversammlung, die Person des Leiters bzw. der Leiterin der Gemeindeversammlung und des Protokollführers bzw. der Protokollführerin, die Zahl der erschienenen Mitglieder, die gefassten Beschlüsse im Wortlaut, das Abstimmungsergebnis und die Art der Abstimmung enthalten.

§ 17 Nachträgliche Anträge zur Tagesordnung

Jedes Mitglied der Gemeindeversammlung kann bis spätestens eine Woche vor dem Tag der Gemeindeversammlung beim Kirchenvorstand schriftlich beantragen, dass weitere Angelegenheiten auf die Tagesordnung gesetzt werden. Der Leiter hat zu Beginn der Gemeindeversammlung die Tagesordnung entsprechend zu ergänzen. Über Anträge auf Ergänzung der Tagesordnung, die erst in der Gemeindeversammlung gestellt werden, beschließt die Gemeindeversammlung. Zur Annahme des Antrags ist die einfache Mehrheit erforderlich.

§ 18 Außerordentliche Gemeindeversammlung

Der Kirchenvorstand kann jederzeit eine außerordentliche Gemeindeversammlung einberufen. Diese muss einberufen werden, wenn das Interesse der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien es erfordert oder wenn die Einberufung von mindestens einem Zehntel aller Mitglieder schriftlich unter Angabe des Zwecks und der Gründe vom Kirchenvorstand verlangt wird. Für die außerordentliche Gemeindeversammlung gelten die §§ 14 bis 17 entsprechend.

§ 19 Entsendung und Wahl der Pfarrer und Pfarrerinnen

(1) Die Entsendung von Pfarrern und Pfarrerinnen richtet sich nach dem zwischen der Gemeinde und der Evangelischen Kirche in Deutschland bestehenden Vertrag.

(2) Pfarrer und Pfarrerinnen bleiben während der Dienstzeit in der Kirchengemeinde der Disziplinargewalt ihrer Gliedkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland unterstellt.

(3) Die Dienst- und Fachaufsicht über die Pfarrer und Pfarrerinnen bestimmt sich nach Maßgabe des Entsendungs- und Anstellungsverhältnisses.

(4) Pfarrer und Pfarrerinnen werden von der Gemeindeversammlung gemäß der in Abstimmung mit der EKD erlassenen Wahlordnung der Gemeinde gewählt.

(5) Die Einführung des Pfarrers oder der Pfarrerin erfolgt in einem Gottesdienst durch einen im Einvernehmen mit der EKD vom Kirchenvorstand bestimmten Geistlichen. Der Pfarrer oder die Pfarrerin ist dabei vor der Gemeinde zu verpflichten, sein bzw. ihr Amt in Übereinstimmung mit der Entsendungsurkunde unter Wahrung der Gemeindeordnung zu führen.

(6) Der Pfarrer oder die Pfarrerin untersteht der allgemeinen Dienstaufsicht der EKD. Rechte und Pflichten im gegenseitigen Verhältnis zwischen Pfarrer bzw. Pfarrerin und der Gemeinde sind in einer Anstellungsvereinbarung schriftlich festzulegen, welche der Genehmigung der EKD bedarf.

(7) Die Wahl erfolgt für eine mit der EKD vereinbarte Zeit. Die Verlängerung der Dienstzeit ist gemäß den zeitlichen Vorgaben der EKD möglich, wenn die Gemeinde, handelnd durch den Kirchenvorstand dieses wünscht, der Pfarrer bzw. die Pfarrerin dazu bereit ist und sowohl das Kirchenamt der EKD als auch die Landeskirche, aus welcher der Pfarrer bzw. die Pfarrerin stammt, dazu ihre Zustimmung geben.

§ 20 Pfarrer und Pfarrerinnen

(1) Die Aufgabe von Pfarrern und Pfarrerinnen im pfarramtlichen Dienst ist die öffentliche Verkündigung und Sakramentsverwaltung in alleiniger Bindung an das Wort Gottes und im Gehorsam gegen Jesus Christus als den Herrn der Kirche entsprechend der bei ihrer Ordination eingegangenen Verpflichtung.

(3) Pfarrer und Pfarrerinnen führen die Fachaufsicht über die ihnen zugewiesenen Personen im Auslandsvikariat, Praktikum, Lektoren- oder Prädikantendienst und sind berechtigt und verpflichtet, Begleitung und Beratung durch Besuch nach den Bestimmungen des Rates der EKD in Anspruch zu nehmen und daran mitzuwirken.

(4) Über alle Angelegenheiten, die einem Pfarrer oder einer Pfarrerin in Ausübung seines bzw. ihres Amtes bekannt werden und die ihrer Natur nach oder infolge besonderer Anordnung vertraulich sind, hat der Pfarrer bzw. die Pfarrerin Verschwiegenheit zu wahren, auch wenn sein bzw. ihr Dienstverhältnis nicht mehr besteht. Das Beichtgeheimnis ist unverbrüchlich.

§ 21 Geschäftsführender Pfarrer / geschäftsführende Pfarrerin

(1) Sind mehrere Pfarrer oder Pfarrerinnen im Dienst der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien beschäftigt, bestimmt die Gemeindeversammlung eine dieser Personen zum geschäftsführenden Pfarrer bzw. zur geschäftsführenden Pfarrerin. Ist nur ein Pfarrer bzw. eine Pfarrerin beschäftigt, hat diese Person automatisch die Geschäftsführung inne.

(2) Der geschäftsführende Pfarrer oder die geschäftsführende Pfarrerin ist geborenes Mitglied des Kirchenvorstands mit Stimmrecht. Weitere Pfarrstelleninhaber/ -inhaberinnen nehmen mit beratender Stimme an den Sitzungen des Kirchenvorstandes teil.

§ 22 Schlichtung

(1) Bei auftretenden Meinungsverschiedenheiten können Kirchenvorstand und Pfarrer bzw. Pfarrerin eine Person ihres Vertrauens um Vermittlung bitten.

(2) Auf Antrag des Kirchenvorstands oder eines Zehntels der Gemeindeglieder kann das Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland bei schwerwiegenden Konflikten in der Gemeinde unter Ausschluss des Rechtsweges durch verbindlichen Schiedsspruch entscheiden, soweit dies nach staatlichem Landesrecht zulässig ist. Hiervon ausgenommen ist die vorzeitige Beendigung des Entsendungsverhältnisses aus wichtigem Grund, für die das Verfahren nach § 10 Abs. 2 des Kirchengesetzes über die Mitarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland in der Ökumene in der jeweils geltenden Fassung maßgebend ist.

§ 23 Auflösung der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien und Vermögensanfall

Die Auflösung der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien kann nur in einer Gemeindeversammlung mit der im § 16 Abs. 6 festgelegten Stimmenmehrheit beschlossen werden. Das Vermögen geht im Falle der Auflösung auf eine kirchliche, gemeinnützige oder mildtätige Körperschaft vorzugsweise in Äthiopien über, die es in einer den Zwecken der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien entsprechenden Weise zu verwenden hat.

§ 23 In-Kraft-Treten

Diese Gemeindeordnung tritt nach Beschluss der Gemeindeversammlung  am 6. Juni 2010 in Kraft und an die Stelle der bisher gültigen. Sie wird in geeigneter Weise öffentlich bekannt gemacht.

Addis Abeba, den 6. Juni 2010

gez. Pastor Martin Gossens                                                   Christoph Schmidt         

Vorsitzender des Kirchenvorstands           Stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands


[1] In Deutschland ist die Religionsmündigkeit mit dem 14. Lebensjahr gegeben. In Einzelfällen erfolgt die Kon­firmation vor der Religionsmündigkeit. Die Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien räumt in solchen Fällen der Person ein eigenständiges Beitrittsrecht ein.