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Poetry Slammerin: Christus in der Mitte

Highholder03 200pxJana Highholder (19) ist Medizinstudentin und Poetry Slammerin und wird ab 13. April auf dem neuen EKD - Kanal zu sehen sein.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wird ab 13. April mit einem eigenen Kanal auf der Videoplattform YouTube vertreten sein. Darin wird die Medizinstudentin Jana Highholder (19) christliche Impulse weitergeben. Zielgruppe sind vor allem junge Menschen im Alter zwischen 14 und 29 Jahren. 

Sie veröffentlichte das Hörbuch „aufwärts – Poetry Slam Texte zwischen Himmel und Erde“ (Gerth Medien) sowie mit dem Pianisten Timo Böcking das Werk „Ebbe und Flut – Poetry Slam Texte über das, was bleibt“. Besonders wichtig ist ihr der Vers „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles andere zufallen“ (Matthäus 6,33). Doch wer ist Jana Highholder? idea-Reporter Karsten Huhn hat mit ihr gesprochen. 

idea: Frau Highholder, Sie sind das neue Gesicht der evangelischen Kirche. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit der EKD?

 

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Highholder: Ich bin ja in den sozialen Medien und als Poetry Slammerin öffentlich ziemlich präsent und mache dabei meinen christlichen Glauben deutlich. Dadurch ist man auf mich aufmerksam geworden.

 

Was genau planen Sie?

Ich will mich auf einem eigenen YouTube-Kanal mit Glaubensfragen beschäftigen und dabei mit der Community ins Gespräch kommen. Ich möchte die Nutzer dabei in mein Leben hineinnehmen – zu meinem Studium, Autofahrten oder zu meinen Auftritten. Es soll möglichst echt, ehrlich und nah am Leben sein.

Sie studieren Medizin in Münster und bereiten sich gerade aufs erste Staatsexamen vor. Dabei sind Sie gerade erst 19 Jahre alt.

Ich habe vor zwei Jahren Abi gemacht – ein Jahr hatte ich übersprungen.

Das Lernen fällt Ihnen offenkundig leicht.

Ich habe eine Begabung dafür, mir Dinge zu merken. Im Moment bin ich ziemlich viel am Lernen – Biochemie, Anatomie, Physiologie, Histologie, also alle Grundlagenfächer der Medizin. Ich kann nicht sagen, dass das leicht ist. Welche Fachrichtung wollen Sie später einschlagen? Das weiß ich noch nicht. Die Möglichkeiten sind so vielfältig und ich möchte noch nichts entscheiden, ohne vorher den Arbeitsalltag zu kennen. Hockt man zum Beispiel als Radiologin den ganzen Tag in der Dunkelkammer? Bis ich nicht mal mehrere Tage mitgegangen bin und den Stress oder auch die Freude im Arbeitsalltag kennengelernt habe, möchte ich mir kein Urteil anmaßen.

Wie nehmen Ihre Studienkollegen Ihr offensives christliches Bekenntnis wahr?

Darüber sprechen wir nicht so viel. Falls Interesse vorhanden ist, wird es jedenfalls nicht so deutlich artikuliert. Liegt für Ihre Generation die Frage, ob es Gott gibt, obenauf? Ich denke, sie liegt unter der Oberfläche. Früher oder später bricht diese Frage bei allen auf. Letztlich sucht jeder Mensch nach Sinn in der Welt. Nicht für jeden wird der christliche Glaube das Ziel sein, aber es lohnt sich in jedem Fall, sich damit auseinanderzusetzen.

In Ihren Poetry-Slam-Texten geht es ganz schön zur Sache. In dem Stück „Staffellauf“ heißt es: „Leben ist Christus, / darum bringt Sterben Gewinn, / … / Lerne deine Tage zu zählen, / denn am Ende bist du’s – mein Kind –, / du musst wählen. / Willst Du Wasser oder Feuer? / Der Preis deiner Rettung – schau ans Kreuz –, / er war teuer.“

Ich versuche, in jedem meiner Texte und auch im Umgang mit anderen Menschen sehr klar zu sein. Mir ist Klarheit einfach super wichtig. Ich habe meine eigene Linie gefunden und will in dieser auch sehr standhaft sein, wenn Menschen das hinterfragen oder kritisieren. Ich greife meine Überzeugungen nicht aus der Luft, sondern setze mich gerne mit Leuten hin und kann meine Texte mit der Bibel begründen.

Wie sind Sie christlich geprägt worden?

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen bin. In meiner Heimatstadt Koblenz ging ich in eine Freie evangelischen Gemeinde, seitdem ich in Münster studiere, besuche ich die Calvary Chapel.

Kurios: Eine Freikirchlerin macht Werbung für die evangelische Landeskirche.

Das ist provokant formuliert. Mit meinen Auftritten komme ich ja in die verschiedensten Gemeinden. Dadurch habe ich erlebt, wie vielfältig Gottesdienste und Glaubensleben sein können. Ich finde das sehr bereichernd. Mir geht es um ein christuszentriertes Leben.

Konfessionelle Unterschiede spielen für Sie keine große Rolle mehr?

In der Nähe von Koblenz war ich lange Zeit aktiv in einer „Family Church“. Sie entstand aus einem Wohnzimmertreffen. Es wurden immer mehr Leute und irgendwann sind wir in einen Jugendraum und später in einen Gemeindesaal gewechselt, um dort am Sonntagabend Gottesdienst zu feiern. Dorthin kamen Menschen aus den unterschiedlichsten Kirchen. Wir haben Gemeinschaft gelebt – woher jemand kam, spielte dabei keine Rolle.

Als 6-Jährige erkrankten Sie an Leukämie – und wurden wieder gesund. Wie hat Sie die Krankheit geprägt?

Ich habe dadurch einen intensiveren Blick auf das Leben bekommen. Ich habe erfahren dürfen, dass jeder Tag ein echtes Geschenk ist. Das ist uns viel zu selten bewusst. Durch die Erkrankung habe ich eine dankbare Herzenshaltung gewonnen. Das ist unter anderem auch Thema in meinem zweiten Hörbuch „Ebbe und Flut“.

Highholder01 300pxDort heißt es: „Was wir haben, das ist unsere Zeit / aber wenn sie doch vergeht: / Was bleibt? / Ein Name in nem Buch: / Was soll das sein?“

Letztlich verwende ich ein Bild: Selbst wenn ich meinen Namen in den Sand am Meer schreibe: Wenn die Flut kommt, wird er weggewischt werden. Der Text geht weiter: „Doch wie gut, dass ich weiß / dass er in Ewigkeit in dem Buch des Lebens bleibt.“ Für meine Generation ist es sehr wichtig, im Hier und Jetzt zu leben und das Leben auszukosten. Das ist so weit auch gut, wenn wir dabei nicht die Perspektive der Ewigkeit aus dem Blick verlieren. Viele haben aber den Druck, heute schon alles erleben zu müssen. Vielleicht treibt uns die Angst, dass nach dem Tod nichts mehr kommt. Deshalb möchte ich Mut machen: In all der Vergänglichkeit des Lebens gibt es etwas, das bleibt. Daran glaube ich.

Haben Sie für Ihren YouTube-Kanal von der evangelischen Kirche Vorgaben bekommen, was erwünscht oder nicht gewollt ist?

Ich bin sehr frei und werde sagen, was ich denke. Der Kanal trägt ja auch den Namen „Jana“. Ich will auch deutlich machen, dass ich nicht die Weisheit mit Löffeln gegessen habe, sondern nur aus meiner Perspektive und Lebenserfahrung erzählen kann und werde. Sicher wird es Menschen geben, die einiges anders sehen werden als ich. Aber ich will ja authentisch sein und deswegen werde ich nur Dinge sagen, von denen ich selbst überzeugt bin. Natürlich unterhalten wir uns über die einzelnen Sendungen, stimmen uns ab und ich bekomme Feedback und Anregungen.

Auf wie viele Wochen oder Monate ist das Projekt angelegt?

Ich hoffe auf eine längerfristige Zusammenarbeit. Mal schauen!

Soll der Kanal als Angebot der evangelischen Kirche erkennbar sein?

Sicherlich wird sich da ein Verweis finden lassen. Doch der Kanal heißt ja „Jana“. Wenn da gleich „Evangelische Kirche in Deutschland“ stünde, würde da jemand, der mit Glauben gar nichts zu tun hat, vielleicht gar nicht draufklicken. Ziel ist es aber, auch mit den Nichtglaubenden und Zweiflern ins Gespräch zu kommen.

Wird sich Ihr Angebot in den Weiten des Internets verlieren oder die Massen erreichen?

Wenn ich das wüsste! Ich hoffe natürlich, dass die Menschen sich finden lassen. Es wird sicher Leute geben, die den Kanal cool finden und andere, die ihn ablehnen werden. Unter meinem YouTube-Video „Dein Kind“ gab es viele positive Rückmeldungen, aber auch Kommentare, bei denen man erstmal schlucken muss. Das darf man dann nicht an sein Herz ranlassen. Ich wünsche mir jedenfalls, dass durch den Kanal in der Internet-Community der christliche Glaube ins Gespräch kommt.

Das Interview führte Karsten Huhn aus idea-spektrum

 

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