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Martin-Luther-Rose blüht auf

2017 10 28 Martin Luther Rose 104bUnserer Gemeinde braucht eine Reformation - Gedanken zum Reformationsfest

 

Im April kam die Martin-Luther-Rose bei uns an. Ein deutscher Züchter hatte uns zehn kleine Stöcke geschenkt. Wurde Kirche und vor dem Gemeindehaus haben wir sie eingepflanzt. Sie waren gerade etwas angewachsen, bildeten erste Knospen aus, da kann die Regenzeit. Über drei Monate lang goss es wie aus Kübeln. Selbst alte Äthiopier, die schon manche Wetterwechsel erlebt hatten, schüttelten die Köpfe, hüllten sich in warme Jacken und Decken und froren trotzdem.

Die Rosen aus Deutschland sahen jeden Tag etwas kläglicher aus. So viel Wasser und Kälte mitten im Sommer waren sie nicht gewohnt. Manche Blätter fielen ab, die Knospen bildeten sich nicht aus und es schien nur noch eine Frage der Zeit bis zehn verdorbene Rosenstöcke ausgegraben werden mussten.

Aber siehe da, die Neuzüchtung aus Deutschland hatte erstaunliche Widerstandskraft. Kaum wurde nach dem Meskelfest das Wetter etwas besser, kam es wieder zur ersten Knospenbildung. Seit drei Wochen lässt sich beobachten, wie es den Rosen jeden Tag ein bisschen besser geht. Seit Anfang der Woche macht sich eine Knospe daran, schöne roséfarbene Blütenblätter zum Vorschein zu bringen. Es kann nicht mehr lang dauern und der Gruß aus Deutschland wird uns mit Farben und Duft erfreuen.

Eine Martin-Luther-Rose sollte auch nicht so leicht unter zu kriegen sein. Als Martin Luther 1517 die Reformation der Kirche begann, war das Land überschwemmt von schlechten Sitten und Unglauben. Aberglaube und Dummheit durchfluteten das Land. Wenige lasen in der Bibel, die persönliche Kultur des Betens war vor die Hunde gekommen, vor lauter Religiösem war kaum noch Gott zu finden.

Wir brauchen einen neuen Anfang und der fängt bei jedem persönlich an: „Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht „Tut Buße“ u.s.w. (Matth. 4,17), hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll.“ So beginnt Martin Luther seine 95 Thesen, die er 1517 an die Wittenberger Schlosskirche geheftet hat. Jeder und jede einzelne und damit dann die ganze Kirche und Gemeinde brauchen eine Generalüberholung. Eine neue kräftige Ausrichtung auf Jesus Christus ist ohne Alternative.

Wir ersaufen im Regen der Beliebigkeit. Was man alles tun könnte, womit man sich die Zeit vertreiben kann, es gibt über genug, was uns davon abhält, das einzig Gute zu suchen und zu finden. Zu oft tauschen wir die Mühe um den Glauben an Gott mit billigen Alternativen.

Pflanzen mit zu viel Regen bilden Blätter aus, manchmal sogar sehr viele, aber die Knospen bleiben aus und dann erst recht die Früchte. Menschen im warmen Regen der Beliebigkeit haben vielleicht von vielem viel, aber das wirklich Gute fehlt, die Blüten des Glaubens und die Frucht der Nächstenliebe.

Drei Blüten des Glaubens stellt Luther uns vor: die Heilige Schrift, Christus und die Gnade. Auf die allein kommt‘s an. Es ist wichtig, in der Bibel zu lesen und zu arbeiten, Jesus Christus zu lieben und zu ehren und sich auf die Gnade Gottes zu verlassen. Alles andere kann dahinter zurückstehen.

Was die Martin Luther Rose in unserem Garten braucht, ist dauerhafter Sonnenschein. Die Gemeinde braucht genauso dringend den Heiligen Geist. Der soll in uns ein neues Verständnis für das Wichtige wecken und die Lust, es dann auch zu wählen und zu tun. Wenn wir unserer Gemeinde und uns selbst etwas Gutes tun wollen, beten wir um den Heiligen Geist und neuen Glauben. Er soll uns zeigen, was der Weg in die Zukunft ist.

Am 31. Oktober feiern wir, dass Martin Luther vor 500 Jahren einen neuen Anfang ermöglicht hat. Die Besserung kam nicht von heute auf morgen. Mit seinen steilen 95 Thesen und der Übersetzung der Bibel hat er einen Prozess angestoßen, in dem sich viel Gutes entfaltet hat. Die Reformation hat Blüten getrieben und Früchte gebracht.

Das wünsche ich auch unserer Gemeinde.

Karl Jacobi

 

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