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Was denken Christen über: Schöpfung?

UrknallChristinnen und Christen verstehen die Welt, ja das Universum, als Gottes Schöpfung. Dieser Glaube konkurriert nicht mit naturwissenschaftlichen Erklärungsmodellen. Sondern in diesem Glauben kommt die Unverfügbarkeit des Kosmos zum Ausdruck: „Die Erde ist des HERRN“, heißt es in Psalm 24,1. Sie gehört Gott, ihre Ressourcen stehen allen Menschen frei und dürfen nicht einseitigen wirtschaftlichen Interessen untergeordnet werden.

 

Christinnen und Christen glauben, dass Gott diese Schöpfung liebt und erhält. Auch mit diesem Glauben wird kein wissenschaftlich erforschtes Naturgesetz negiert. Sondern jedem geschaffenen Wesen kommt eine eigene Würde zu. Sie im Rahmen des Möglichen zu achten, ist jedem Menschen aufgetragen. Somit kommt auch dem Tier- und Umweltschutz gerade in der industrialisierten Gesellschaft eine wachsende Bedeutung zu.

Die Fürsorge Gottes für seine Schöpfung ist zugleich Gegenstand des menschlichen Gottvertrauens, von dem auch Jesus Christus spricht (Matthäus 6,25–29): „Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleider? Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie? Wer ist aber unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.“

Die ersten Kapitel der Bibel enthalten zwei unterschiedliche Schöpfungsberichte. Keiner von beiden tritt in Konkurrenz zu wissenschaftlichen Erkenntnissen. Im ersten Schöpfungsbericht (1. Mose 1) geht es um die wohlgeordnete Schöpfung. Im Rahmen einer Siebentagewoche erschafft Gott die Welt, indem er die Dinge scheidet: Licht und Finsternis bzw. Tag und Nacht; die Wasser über der Himmelsfeste und die darunter; das Meer und das Land mit den Gräsern, Kräutern und Bäumen; die Himmelslichter als Orientierungshilfen für die Festzeiten – eines für den Tag (die Sonne), eines für die Nacht (der Mond); die Tiere des Wassers und der Luft; die Landtiere und die Menschen, die er männlich und weiblich schafft und denen er die Herrschaft über die Schöpfung anvertraut. Am siebten Tag vollendet Gott die Schöpfung und ruht von seinen Werken – damit ist der Sabbat geschaffen, der siebte Tag als Ruhe- und Festtag.

Im zweiten Schöpfungsbericht (1. Mose 2) steigt ein Strom aus der noch unbelebten Erde hervor; dann erschafft Gott den Menschen aus Erde. Anschließend pflanzt er einen Garten, in den er den Menschen hineinsetzt, und stellt ihm zunächst Tiere und schließlich eine Hilfe an die Seite. Diese Erzählung lebt von hebräischen Wortspielen: Der Mensch (adam) ist aus Erde (adamah) geschaffen – hier ist noch nicht von der Erschaffung des Mannes die Rede. Gott schafft ihm eine Hilfe – hier ist nicht von einer Gehilfin, geschweige einer Frau, die Rede. Der Mensch erkennt das „Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“. Erst im Gegenüber werden sich isch und ischah – Mann und Frau – ihrer Geschlechtlichkeit bewusst.

Aus dem Schöpfungsglauben resultiert vor allem, dass Gott alle Menschen gleich geschaffen hat. Auch deshalb gehören Friede, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung untrennbar zusammen. Umweltzerstörung entzieht Menschen den Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen und provoziert Konflikte und Kriege. Wer in der Nachfolge Jesu für Frieden und Gerechtigkeit eintritt, um im Sinne Jesu den Anbruch des Gottesreiches zu bezeugen, muss sich auch für die Bewahrung der Schöpfung einsetzen. Der muss die Erde – um es mit den Bildern der Bibel zu sagen – „bebauen und bewahren“ (1. Mose 2,15). Wer sich für die Benachteiligten egal welcher Nationalität und Herkunft engagiert, wer an die Gleichheit aller in Christo glaubt (Galater 3,28), der muss selbst auch natürliche Ressourcen schonen.

Nach christlichem Glauben strebt die Schöpfung nach Vollendung. Dann wird das Böse überwunden sein, durch Gottes Kraft, nicht aufgrund menschlichen Geschicks. Mit Jesus Christus hat diese Zukunft begonnen.

aus: https://www.ekd.de/Schopfung-11261.htm

 

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