Kopf

Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien

A- A A+

Maria unter Flüchtlingen

2016 06 04 Tizita Berhanu Maria in der Flucht 104 200pxEröffnung des Panoramagemäldes im Gottesdienst am 13. November 2016

Fünf Wochen arbeitete Tizita Brhanu an einem Panorama in der Kirche. Montagmorgens fing sie an, spätestens Samstagmittag musste das großformatige Werk wieder weggeräumt werden, denn der Sonntagsgottesdienst brauchte freie Sicht auf den Altar.

„Maria unter Flüchtlingen“, heißt das Bild, das eigentlich ein Triptychon ist, denn es umfasst drei Bilder in einem. Drei biblische Geschichten über die junge Maria, die Begegnung mit dem Engel, die Geburt und dann die Flucht nach Ägypten werden miteinander verbunden. Es ist eine Geschichte über die Begegnung mit Gott, eine Geburt unter harten Umständen und dann eine lange Wanderung, um dem drohenden Tod zu entkommen. Im Hintergrund: Flüchtlingskarawanen.

Wie alt mag Maria gewesen sein? Vielleicht 14 oder 16 Jahre, als ihr der Engel die Nachricht überbrachte: du bist schwanger – und Gott! Wer die Situation in den Dörfern in Äthiopien etwas kennt, weiß, was das für Konsequenzen hat. Ausgrenzung, Spott, eine ungewisse Zukunft. Tizita Brhanu hat versucht die Schrecksekunde einzufangen. Dabei haben ihr eine ganze Reihe von Gesprächen mit Schülerinnen der German Church School geholfen: „Wie würdest dir gehen, wenn ein Engel dir eine Schwangerschaft prophezeien würde?“

Tizita Brhanu in der Kirche 01 300pxEinige ließen sich sogar auf einen kleinen Test ein: Sie saßen in der ersten Kirchenbank, Tizita saß ihnen gegenüber, um ihre Mimik beobachten zu können und dann bekam die Schülerin nur einen kurzen Satz gesagt: Du bist schwanger!

Kurze Zeit später lag auf den meisten Mädchengesichtern eine Mischung aus Erschrecken, ungläubiger Verwunderung, die sich dann in Gekicher Erleichterung verschaffte. Wie ist es der jungen Maria gegangen? Ein Gespräch, dass manche aus den Klassen 7 und 8 gerne weiter führten. Jeden Tag kamen in der ersten großen Pause ein paar, um nachzuschauen, wie sich das Bild weiter entwickelt hatte. „Warum malst du die Gesichter gelb und rot – was sind das für Leute im Hintergrund – warum ist Jesus so klein?“

Tizita Brhanu in der Kirche 02 300pxVielleicht hieße das Bild besser: Jesus unter Flüchtlingen, denn es soll auch daran erinnern, dass Jesus ein Flüchtling war. Schon in den ersten zwei Monaten hat er am Schicksal derer teilgenommen, die aus ihrem Heimatland flüchten müssen. Es ist wichtig, diese Erinnerung wachzuhalten, in Äthiopien wie in Deutschland. Maria, Joseph und Jesus sind mitten in einem blauen Strom von Menschen mit Rucksack, Stock - oder auch gar nichts. Die Bilder von den Flüchtlingsrouten sind künstlerisch umgesetzt.

Im Gottesdienst am Volkstrauertag, 13. November 2016, soll das Panoramagemälde der Gemeinde vorgestellt werden. Wir wollen miteinander ins Gespräch kommen, die Künstlerin wird anwesend sein und auch Dr. Nathalie Klein-Kelly, vom Roten Kreuz, die uns aus der praktischen Erfahrung hier in Addis Abeba berichten wird.

Herzliche Einladung!

 

Sehen Sie auch Filme von der Entstehung des Gemäldes:

Maria in der Flucht

 

Suche

Anmeldung