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Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache in Äthiopien

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Meskel gegen den Terror

Meskelblumenkreuz02 200pxMeskelfest - eine Wiederentdeckung humanitärer Werte

Am 27. September wird in Äthiopien das Meskelfest gefeiert. Es soll daran erinnern, dass im vierten Jahrhundert die Königin Helena unter wundersamen Umständen das Kreuz Jesu in Palästina gefunden habe. Einen historischen Anhalt dafür gibt es nicht, trotzdem ranken sich viele Sagen und Legenden um die wunderbare Wirkung der Kreuzesteile, welche die Gattin des römischen Kaisers in viele Länder – so auch Äthiopien – verschickt hat.

Hier vor Ort wird die „Auffindung des wahren Kreuzes“ gefeiert wie ein Frühlingsfest mit Blumen und Tanz, Aufmärschen in den Städten und viel Aufwand in den Familien. Das Kreuz wird als Hoffnungs- und Freudenzeichen präsentiert, viele Lieder und Gedichte werden dazu vorgetragen. Recht verstanden ist das Meskelfest ein Aufruf, Menschlichkeit neu zu entdecken.

Es wäre Zeit, dass das Kreuz in seiner friedensstiftenden Bedeutung erneut ausgegraben würde – als Zeichen Gottes, dass Folter und Terror ein Ende haben sollen. Statt brutaler Gewalt ist Vergebung angesagt, Gott selbst zeigt, dass Vergeltung und Rache kein Weg sind. Kriege und Bürgerkriege im Jahr 2016 scheinen davon völlig unberührt. Die Art, wie die Stadt Aleppo ausradiert wird, ihre Bewohner den Kriegshandlungen erbarmungslos geopfert werden, kann nur als Akt barbarischer Brutalität gegeißelt werden. Die blindwütige Ausbeutung der Natur wird unvermindert fortgesetzt. Die 10 Millionen Hungernden nach der langen Dürreperiode im letzten Jahr sind eine kleine Katastrophe im Verhältnis zu dem, was noch kommen wird, wenn der Klimawandel Afrika mit voller Wucht erreicht.

Wir brauchen eine Neuauffindung humanitärer Werte. Dafür steht das Kreuz Jesu Christi. Eine bedingungslose Abkehr von Waffengewalt und Kriegshandlungen als Mittel der Politik sind ohne Alternative. Sei es im Nahen Osten oder in Afrika – immer wieder leiden Arme, Frauen und Kinder unter dem unmenschlichen Machtanspruch kleiner Gruppen.

Die Legende von der Auffindung des Kreuzes durch Kaiserin Helena kann gedeutet werden als Neuentdeckung vom eigentlichen Willen Gottes für die Menschen. Versöhnung und friedlicher Ausgleich sind Gottes Wille, nicht Macht durch Terror. Werden sich die menschlichen Katastrophen des 20. Jahrhunderts ohne Änderung auch im 21. Jahrhundert fortsetzen? Wir bräuchten die Wiederauffindung menschlicher Werte, humanitärer Formen der Auseinandersetzung, Regeln des Miteinanders auch zwischen uns und der Schöpfung, die das Adjektiv „menschlich“ verdienen.

Das Meskelfest kann auch uns Menschen, die wir wenig mit der Heiligenlegende anfangen können, ein Ansporn sein, lebensfördernde Moral und Ethik neu zu praktizieren.

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