spitzer soddemann 02 200pxGedanken von Hanno Spitzer zum Abschied nach vier Jahren deutschsprachiger evangelischer Gemeinde

Liebe Gemeinde, liebe Freundinnen und Freunde, Bekannte und Gäste, lieber Kirchenvorstand, liebe Anja, lieber Karl,

nach vier Jahren verlassen wir wieder Addis und damit Euch, unsere Gemeinde hier in Addis. Wir ziehen wieder zurück nach Bonn in unsere vertraute Umgebung; Wir freuen uns auf unsere Christus Kirche in Godesberg.

Vier Jahre lang haben wir in dieser Gemeinde als Familie mitmachen und miterleben dürfen, dafür sind wir sehr dankbar, auch Euch. Begrüßungsgottesdienste (auch einmal im Bademantel), Jungschar, Kindergottesdienst, Krippenspiel, Gemeindewochenenden, Kindermusical, Freiluftgottesdienst, der große weihnachtliche Basar und der Kirchenvorstand. Und dann mein persönliches Highlight: der jährliche Gottesdienst zur Jahreslosung. Wir haben den Pfarrern die aktive Rolle im Gottesdienst genommen und haben den Gottesdienst selber gemacht, wir - eine Gruppe von vier bis sechs Laien, Leute wie Du und ich. Das war eine ganz tolle und intensive Erfahrung.

Und am Rande bemerkt: Ich war war schon immer gut im Kritisieren von Predigten. Meinen Erfahrungen mit eigenen Gottesdiensten haben mich Demut gelehrt, denn das ist gar nicht so einfach mit dem Predigen! Dennoch wage ich einen Rückblick auf die vier Gottesdienste zur Jahreslosung von 2013 - 2016.

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Hanno Spitzer und Monika Soddemann mit Kindern Tim und Lena an den Nilfällen

 

Jahreslosung 2013: Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. (Hebräer 13, 14)

Wir hatten uns gerade hier eingelebt. Pfarrer Martin und Sabine Gossens empfingen uns mit offenen Armen. Ja – wir haben hier keine bleibende Stadt, aber dennoch: Wir fühlten uns in der Gemeinde richtig wohl, alle vier. Diese Gemeinde ist auch, so sagte ich in dem Gottesdienst, ein gemeinsamer Rückzugsort.

Ich zitiere aus dem Gottesdienst 2013 „Die gemeinsamen Gebete, die vertrauten Lieder, der Ort der Stille. Also ich finde das hier in der Gemeinde schon wie ein Stück Zuhause. Da hat der Herr Pfarrer letzte Woche in der Predigt davon gesprochen, die Gemeinde sollte eine Herberge und Tankstelle für die Gläubigen sein. Also Auftanken lasse ich mich hier sehr gerne, aber weiterfahren, ich weiß nicht. Ich hoffe vielmehr, dass ich hier nicht weg muss aus dieser gemeinsamen Komfortzone zurück in den wilden Verkehr und das Chaos da draußen in Addis“. Soweit das Zitat aus dem Gottesdienst von 2013.

 

Jahreslosung 2014: Gott nahe zu sein ist unser Glück (Psalm 73, 28)

Martin und Sabine Gossens waren gegangen. Uns unterstützten jetzt Siegfried Menthel und Hans Joachim Krause, jeweils für ein halbes Jahr als Vertretungspfarrer. Wir haben so gut es ging weitergemacht. Und der Gottesdienst zur Jahreslosung gehört auch dazu.

Ich zitiere aus diesem Gottesdienst 2014:

„Gott nahe zu sein ist unser Glück

Gott kam zu uns als Mensch. Er ist uns nahe.

Gott ist Urvertrauen. Bei Gott finde ich Geborgenheit. Auf Gott vertraue ich.

Muss ich mich anstrengen, um Nähe zu finden.

Wird sie mir geschenkt?

Nähe entsteht da, wo ich mir die Zeit nehme, zu zuhören, in mich hinein zu hören.“

Zitat Ende.

Der Gottesdienst war sehr ruhig und meditativ. Das passte auch ganz gut für mich, denn ich war ziemlich erkältet und heiser an dem Tag.

 

Jahreslosung 2015: "Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob" (Römer 15, 7)

Nun waren Anja und Karl Jakobi schon ein halbes Jahr unsere Pfarrersleute. Das Jungendsinfonie-Orchester aus Leipzig war dabei. Ich fasste unsere Predigt zur Jahreslosung am Ende so zusammen, ich 

Zitat Ende. Ganz schön anspruchsvoll, diese Jahreslosung. Diese Jahreslosung ist ja keine Verheißung sondern eine Aufforderung an uns. Wir sollen etwas tun! Oh je!

 

Jahreslosung 2016: Gott spricht: "Ich will Euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet." (Jesaja 66, 13)

Diese Jahr dann wieder eine Verheißung, dass tut gut. Wir werden getröstet - und wenn wie im Februar diesen Jahres Bodo, das Kuscheltier, auch beim Gottesdienst mitmacht, wird da noch ein schöner Familiengottesdienst daraus.

 

Liebe Gemeinde, liebe Freundinnen und Freunde,

wir schauen gerne auf die letzten vier Jahre zurück, auf viele schöne Momente und Begegnungen. Viel Freude, viel Besinnung, viel Segen. Aber seien wir ehrlich, es gab auch Ärger, Konflikte, vielleicht Desinteresse und Frust bei mir, bei einigen von uns.

Worüber streiten wir: Ob die Orgel oben steht oder unten, ob diese oder jenes Lied gesungen wird, ob die Predigt gut ist – und wer definiert hier eigentlich Ökumene? Haben wir das große Ganze noch im Blick? Haben wir noch eine Gemeinde im Blick, die Gott lobt und ein Ort ist für Menschen wie Dich und mich, an dem wir hier auftanken können?

Wenn ich Euch etwas wünschen darf, dann ist es die Jahreslosung 2015 im Herzen zu tragen: "Nehmt Euch einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob".

Bringt Euch ein in diese, Eure Gemeinde, und macht mit - zu Gottes Lob. Sagt was Euch in der Gemeinde gut tut und helft alle mit, dass Ihr Euch hier wohl fühl und viele mehr sich wohl fühlen. Hier kann Euch Gott nahe sein, welch ein Glück! Bitte lasst es nicht zu, dass ihr sprachlos werdet, lasst es nicht zu, dass Streit zwischen Euch ist.

Schaut Euch nochmal um, da wo Ihr jetzt steht. Schaut nochmal Eure Nachbarn an, schaut mal nach vorne und nach hinten, dreht Euch einmal. "Nehmt Euch einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob". Wir haben einen Auftrag.

Wir wünschen Euch allen eine schöne Sommerzeit. Und wenn Ihr wieder nach Addis zurückkommt, ist zwar noch Regenzeit. Aber es ist wie immer ein Neuanfang, neu Gesichter, neuer Elan. Neue Chancen, wieder ins Gespräch zu kommen, sich einzubringen, sich auszusprechen. Neue Chancen sich gegenseitig anzunehmen, wie Christus uns angenommen hat, in aller unsere Unzulänglichkeit.

Dafür wünschen wir Euch: Gottes Segen.